Im Internet findet man momentan viele Beiträge darüber, wie man sich als Einzelperson, als Organisation bzw. als Gesellschaft von US-amerikanischen Anbietern unabhängig machen kann. Und warum man das jetzt wirklich auch tun sollte. Durch unsere Arbeit, die eng mit vielen US-Kollegen zusammenhängt, sind wir auf Plattformen wie Google, Amazon AWS, Microsoft 365 usw. Das lässt sich nur schwer ändern, da der Aufwand dafür enorm wäre. Es wäre zwar möglich, würde aber viele Wochen, viel Zeit und Energie binden.
Privat sind wir jedoch ziemlich unabhängig, wenn auch nicht überall. Dieser Rechner, an dem ich sitze, arbeitet mit Linux, genauer gesagt ist es ein Tuxedo mit Tuxedo OS, einer auf die Hardware optimierten Variante von Ubuntu.
Unsere E-Mail-Adresse ist bei Posteo, der Kalender und die Sharing-Funktion nutzen Nextcloud, welches bei netcup gehostet ist. Seit neuestem mache ich Backups über Filen, da andere Anbieter zu teuer oder zu kompliziert waren.
Ein paar Dinge funktionieren jedoch nicht: Aufgrund von Android auf dem Handy ist eine Google-E-Mail unerlässlich. Neulich mussten wir sogar bei Amazon einkaufen, weil es ein paar Dinge nirgendwo anders gab.
Was ich persönlich aber versuche, ist, nicht in den sogenannten sozialen Netzwerken präsent zu sein. Ich habe weder Instagram noch Facebook. Dafür habe ich aber einen Account für Mastodon. Mastodon gehört zum sogenannten Fediverse, einem Netzwerk aus vielen kleinen Servern, die sich dadurch nicht wirklich kontrollieren lassen. Die Anmeldung ist vielleicht etwas komplexer, weil man erst einen Server suchen muss, bei dem man sich anmelden möchte, und häufig muss man auch erst zugelassen werden. Das war es aber auch schon.
Ich bin dort ziemlich gerne unterwegs und habe auch schon eine Menge gelernt, weil sich die Leute über viele interessante Themen austauschen. Im Gegensatz zu Instagram, YouTube oder Facebook gibt es keinen Algorithmus, der die Liste der Beiträge sortiert. Die Beiträge sind einfach chronologisch sortiert – und damit für mich logisch und nachvollziehbar. Bei YouTube sind die Videos beispielsweise ständig neu angeordnet, weil der Algorithmus dahinter immer neu berechnet, was mich interessieren könnte. Bei Mastodon im Fediverse schaue ich über Listen oder Hashtags, ob es etwas Neues gibt, das ich unbedingt wissen möchte. Ansonsten scrolle ich einfach mal rum – wie viele andere auch.
Gibt es Nachteile? Das kommt darauf an! Ich empfinde viele politische Diskussionen als einseitig, aber das ist sicherlich Ansichtssache. Es gibt auch viele Zeitungen, Zeitschriften, Nachrichtenmagazine oder offizielle Organisationen, die noch nicht auf Mastodon sind, auch wenn es immer weniger werden. Dadurch meinen viele, sie müssten auch woanders präsent sein. Ich bezweifle, dass das wirklich nötig ist, da man heutzutage eigentlich immer die wichtigsten Informationen, Nachrichten oder Meldungen mitbekommt. Die Informationsflut lädt eher dazu ein, Dinge einzuschränken, als mitzumachen.
Tipps:
- Übersicht über europäische Alternativen: https://european-alternatives.eu/de.
- Einführung zu Mastodon: https://digitalcourage.de/fediverse-anleitung.



