Deutsches Notfallsystem: unglaublich gut!

Vor ein paar Wochen hatte ich Herzprobleme: Meine Pumpe arbeitete völlig unregelmäßig und das zum dritten Mal in drei Wochen. Ich hatte das schon früher aber nicht so häufig. Folge ist eine gewisse Beunruhigung, Nervösität und vor allem Schlaflosigkeit. Ich kann dann auf keinen Fall richtig schlafen, dazu höre ich mein Herz viel zu laut.

Schon häufiger hatten meine Frau und ich gedacht, dass dieses Phänomen mal abgeklärt werden muss, aber das geht nur akut: Also wenn das Problem da ist. Wir sind also in die nächste Notaufnahme gegangen, vor allem nach dem auch noch ein Seitenstechen dazukam.

Ich muss sagen: Es ist schon beeindruckend, wie die Maschinerie dann anläuft. Man nahm mich sofort ernst, verkabelte mich, nahm mir Blut ab und gab sofort eine Magnesium-Infusion. Etwas später kam dann ein Arzt, der mich die ganze Nacht über betreuen sollte. Wir kamen gegen 2.30 an und ich wurde um 9.15 entlassen, nachdem mein Herz seit mehreren Stunden wieder normal geschlagen hatte. Zwischendrin kamen noch zwei Infusionen mit einem Betablocker und eine mit Elektrolyten. Dabei wurde ich die ganze Zeit am Monitor überwacht. Jeder wusste, was zu tun war, jeder Handgriff saß, und das Team wurde erst langsamer, als klar war: kein Herzinfakt, nichts Lebensgefährliches.

Ich weiß, dass das nicht überall so ist. Göttingen ist jetzt mit der Universitätsklinik auch nicht gerade Mittelmaß sondern deutlich oberer Standard. Auch dort kann man schlechte Betreuung erfahren, aber nach meiner Erfahrung nach selten, wenn es um Notfallsituationen geht. Natürlich ist die Situation auf dem Land und mit größeren Entfernungen häufig auch schwieriger. Aber, und das ist mein Punkt hier: Es gibt ziemlich viele gute Einrichtungen! Bei mir kam dann noch hinzu, dass der behandelnde Arzt den Bericht an meinen Kardiologen faxte, so dass ich beim Besuch am nächsten Tag – ohne Termin – sofort ernst genommen wurde, gleich dran kam und mit dem Experten sprechen konnte.

Der Kardiologe war auch voll des Lobes für die Notfallstation, hatte aber auch noch Ideen, wie es noch besser hätte laufen können. Ich war bereits für eine Magensonde und evtl. Elektroschock danach vorbereitet worden, was dann aber nicht nötig wurde, weil das Herz wieder den Rhythmus fand. Er sagte, er hätte dafür gesorgt, dass das Herz geschützt wird, aber nicht seinen Rhythmus findet, so dass man diese Untersuchungen machen kann und noch mehr Daten bekommt. Das wäre dann das Maximum. Muss nicht sein, meinte er auch, aber das wäre noch besser gewesen. Ich denke, das Krankenhaus hatte nicht die Kapazität, um diesen Plan umzusetzen, weil sie schon in der Nacht merkten, wie schwierig es werden würde, ein Bett zu finden. Daran wäre wohl gescheitert.

Mein Fazit: Im Vergleich zu Nordafrika genial gut! Natürlich auch viel teurer, aber auch lebensrettend. In Nordafrika ist der Bruder meines Chefs damals gestorben, weil man seinen Herzinfakt nicht korrekt behandelte: Die Reanimateure benötigten beim dritten Infakt vier Minuten, um zu kommen, und da war es zu spät. Man kann sicherlich auch in Deutschland vieles verbessern und wie bei mir ist es nicht immer und nicht überall, aber es gibt sie, die sehr gute Behandlung.

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