Der Herr der Adler: Warum mein Name besser zu mir passt, als ich dachte

Kurz nach Beginn meines Spanischstudiums bemühte ich mich um einen mehrwöchigen Aufenthalt in Spanien. Das ist immer gut, um die Sprachkenntnisse in einem realen Umfeld zu vertiefen. Ich hatte zuvor in der Rehabilitation von Drogenabhängigen gearbeitet und fragte bei einer spanischen Einrichtung an, ob ich auch zu diesem Zweck kommen dürfte. Ich durfte und verbrachte sieben Wochen mit sehr unterschiedlichen Männern. Danach waren meine Sprachkenntnisse um einiges besser.

Ich hatte vorher gehört, dass Spaniern die Bedeutung ihres Namens sehr wichtig ist. Ich brauchte also eine Antwort auf die Frage, woher Arne kommt. Damals wusste ich noch nicht, dass meine Eltern mich nach meinem Opa und meinem Paten benannt hatten. Beide hießen Arno, der Opa mit zweitem Vornamen. Ich ging in eine Buchhandlung, um ein Lexikon der Namenskunde oder etwas Ähnliches zu finden. Das Internet gab es noch nicht.

Was bedeutet mein Name?

Ich fand also heraus, dass die Stammform „Arnold” ist. „Arn” bedeutet „Adler”, „Hold” bedeutet „Herr”, also der Herr des Adlers. Arno ist die Kurzform davon und Arne die nordische Variante, die in Skandinavien üblich ist. Die Spanier fanden das zwar interessant, aber einige wollten mich Pepe nennen, weil ihnen Arne zu kompliziert war. Bis ich eines Tages auf die Idee kam, „como la carne sin k!” zu sagen. Wie das Fleisch ohne k! Dabei ignorierte ich, dass carne mit c geschrieben wird, denn die meisten in diesem Rehabilitationszentrum hatten wenig Schulbildung. Als ich über die falsche Schreibweise auf einem Schild lachte, rief tatsächlich jemand aus: „Du kannst nicht nur Spanisch sprechen, sondern auch schreiben?”

Coole Bedeutung!

Damals fand ich „Herr des Adlers” einfach nur interessant. Mittlerweile finde ich den Namen richtig gut, weil ich kein Detailmensch bin, sondern immer im Großen denken und die Übersicht behalten muss. Ein Adler hat im Flug stets die Übersicht, um dann seine Beute sehr präzise zu orten und zu greifen. So arbeite ich auch: Erst die Übersicht behalten, das große Ganze im Blick haben und mich dann um die Details kümmern, auf die es wirklich ankommt. Letzteres muss ich allerdings häufig delegieren, da meine Kenntnisse nicht ausreichen. Aber ich behalte es im Blick.
Also, so gesehen passt der Name sehr gut zu mi. Dass ich eher ein Nord- als ein Südmensch bin, passt zudem zur nordischen Abkürzung!

Wie soll ich das aussprechen?

Wenn ich mit englischen Muttersprachlern zusammen bin, kommt immer die Frage, wie sie den Namen aussprechen sollen. Dabei fragen sie nicht, wie man ihn ausspricht, sondern wie ich es gerne hätte. Anglophone haben meist ein Problem mit dem „r”, weil es bei ihnen retroflex, also mit der Zunge nach hinten gebogen, gesprochen wird und damit sehr anders als in anderen Sprachen. Das e am Schluss bekommen sie auch nicht hin, genau wie übrigens auch die Franzosen, die es einfach weglassen. Spanier und Deutsche haben dagegen kein Problem damit, ein unbetontes e, ein sogenanntes Schwa, zu sprechen. Dieses Schwa ist das kurze, unbetonte e, das häufig wegfällt, wie in „fahren”, „machen” oder „laufen”. Wir sprechen da eher „fahrn”, „machn” und „laufn”.

US-Amerikaner enden immer damit, mich „Arnie” zu nennen – so wird Arnold Schwarzenegger genannt, eine dort gängige Form, die jeder kennt. Das ist natürlich okay, es stört mich nicht.

Als Teenager habe ich häufig das R betont und mich auch am Telefon mit „Arrrrne” gemeldet. Anrufer gingen aufgrund meiner hellen Stimme und meines wie Anne klingenden Namens von einem Mädchen aus, was natürlich gar nicht ging.

(Angeregt mal wieder von der Blogparade #relevant, die immer wieder sehr schöne Themen vorschlagen, s. Blogissimo von Erik)

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